Gibbon Facts

Alles über die faszinierenden — und bedrohten — Kleinen Menschenaffen Südostasiens.

Was sind Gibbons?

Gibbons sind Menschenaffen. Die Gibbons (Familie Hylobatidae) bilden — zusammen mit den Grossen Menschenaffen — die Überfamilie der Menschenaffen (Hominoidea). Man bezeichnet die Gibbons auch als die Kleinen Menschenaffen.

Mit 19 Arten sind die Gibbons allerdings die grösste Gruppe der Menschenaffen. Gibbons beinhalten nicht nur die am meisten bedrohten Menschenaffen, sondern auch die am meisten bedrohten Affen weltweit.

Die Bedrohung der Gibbons wird in den Medien praktisch ignoriert. Gibbons sind die wirklich vergessenen Menschenaffen und brauchen dringend unsere Hilfe.

Nomascus gabriellae — Gelbwangen-Gibbon
© Thomas Geissmann

Lebensweise & Körperbau

Anpassung an den Lebensraum

Gibbons leben in den immergrünen tropischen Regenwäldern Südost-Asiens. Sie sind an das Leben in den Baumwipfeln angepasst. Gibbons ernähren sich vor allem von Früchten, nehmen aber auch Blätter, Triebe und kleine Tiere zu sich.

Sozialstruktur

Gibbons leben in kleinen Familiengruppen von 2 bis 6 Tieren (Monogamie). Diese Sozialstruktur kommt nur bei etwa 3% aller Säugetiere vor. Jede Gruppe besteht aus einem erwachsenen Paar und seinen Jungtieren.

Fortbewegung

Gibbons bewegen sich schwinghangelnd an den Armen (Brachiation) oder zweibeinig (Bipedie) fort. Das spektakuläre Hangeln macht Gibbons zu den akrobatischsten aller Affen.

Körperbau

Gibbons weisen zahlreiche anatomische Besonderheiten auf. Relativ zur Körpergrösse haben Gibbons die längsten Arme aller Affen. Sie wiegen nur 5–12 kg und tragen keinen Schwanz.

Verbreitung

Das riesige Verbreitungsgebiet der vier Gibbon-Gattungen erstreckt sich über fast ganz Südost-Asien — zwei der biologisch reichsten und am meisten bedrohten Ökoregionen der Welt.

Arten

19 Gibbonarten gehören zu vier Gattungen: Hylobates, Nomascus, Symphalangus und Hoolock. Die seltenste ist der Hainan-Schopfgibbon mit weniger als 30 lebenden Tieren.

Die Gesänge der Gibbons

Gibbongruppen äussern frühmorgens spektakuläre Gesänge, die 1–2 km weit hörbar sind. Gibbons äussern die komplexesten Gesänge aller Landsäuger — sie dauern meist 10–30 Minuten.

Am Gesang lassen sich Gibbonart, Geschlecht und Individuum erkennen. Verpaarte Gibbons singen in genau koordinierten Duetten zusammen — das beste Modell für die Evolution der menschlichen Musik.

Gibbons beim Singen — Video: Wildlife Alliance

Warum sind Gibbons bedroht?

Die wichtigsten Gründe für den dramatischen Rückgang der Gibbons sind Lebensraumverlust, Wilderei und illegaler Handel.

Der tropische Regenwald ist für Gibbons lebensnotwendig — verschwindet er, verschwinden auch die Gibbons. In China haben die Gibbons bereits 99% ihres Lebensraumes verloren.

Gibbons werden gejagt und der illegale Handel mit lebenden Gibbons als Haustiere blüht in ganz Südostasien.

Es existieren zwar einige Schutzgebiete, häufig werden sie aber schlecht gemanagt und die Schutzbestimmungen unzureichend durchgesetzt.

Kappen-Gibbon Paar
© Thomas Geissmann